Chilenische Literatur und Filmproduktionen präsentieren die einzigartige Natur, historische Schlüsselmomente oder drückende Themen der Gesellschaft auf eine ganz eigene Weise. Chilenische
Medien zeigen auf, wie das Land tickt und was die Menschen von damals wie heute beschäftigt. Dies sind unsere Buch-Tipps und Film-Empfehlungen zu Chile.
Eine Chile-Reise ist kein kleines Unterfangen. Das Land ist fern und in vielen Belangen fremdes Terrain für die Meisten. Oft geht einem Urlaub in Chile eine mehrmonatige Planung
voraus, die begleitet wird von zahlreichen Fragen konkreter wie auch ganz allgemeiner Art: Was macht die Natur und Kultur Chiles aus? Wie ist die Stimmung in der Gesellschaft?
Was beschäftigt die Menschen, wovon leben sie? Wie tickt das Land? Viele Reisende möchten sich vorab einen Eindruck machen, was sie in Chile erwartet. Literatur und Filme können
hierbei eine mediale Einführung geben.
Chile in der Literatur – unsere Buchempfehlungen
- Grundsätzliche Orientierung und einen anregenden Vorgeschmack verschaffen klassische Reiseführer. Der „Reise Know-How Reiseführer Chile und die Osterinsel“ ist ein besonders umfassendes Werk mit detailreichen Informationen zu Land und Leuten und den jeweiligen Destinationen. Weitere Reiseführer werden unter anderem von Stefan Loose, DuMont und Lonely Planet angeboten.
- Vertiefende Hintergründe zu den historischen Strängen Chiles finden Interessierte im Buch „Kleine Geschichte Chiles“ von Stefan Rinke sowie der relativ aktuellen Veröffentlichung von Günther Wessel: „Salvador Allende: Eine chilenische Geschichte“.
- Mit den Geschehnissen während der chilenischen Diktatur unter Augusto Pinochet (1973 bis 1990) setzen sich speziell die Bücher „Das Abenteuer des Miguel Littin. Illegal in Chile“ von Gabriel García Márquez sowie „Torero, ich hab Angst“ von Pedro Lemebel auseinander.
- Von diesen Ereignissen ist auch der Großteil der Schriftstücke des 2024 verstorbenen Autors Antonio Skármeta geprägt, der ebenso eine Zeit in Berlin im Exil lebte. „Mit brennender Geduld“ ist sein bekanntestes Buch.
- Der Menschenrechtsanwalt Philippe Sands wiederum beleuchtet in seinem analytischen Buch „Die Verschwundenen von Londres 38“ die Verstrickung eines einstigen SS-Offiziers mit dem Pinochets Geheimdienst.
- Den speziellen Menschenschlag der Chileninnen und Chilenen porträtiert Isabel Allende, namhafte Schriftstellerin und Nichte zweiten Grades des einstigen Präsidenten Salvador Allende, in ihrem Buch „Mein erfundenes Land“.
- Nicht minder prominent ist der mittlerweile verstorbene Lyriker Roberto Bolaño, in dessen ausgezeichneten Schriftstücken das Chile-Motiv in kritischer Form immer wieder auftaucht, etwa in den Kurzgeschichten in „Cowboygräber“.
- Freunde der poetischen Ausdrucksform seien die vielfältigen Liebesgedichte mit chilenischem Bezug von Pablo Neruda nahegelegt. Der Dichter, Politiker und Nobelpreisträger ist eine chilenische Berühmtheit und zugleich streitbare Persönlichkeit, dessen Lebensweg sich in seiner Autobiografie verfolgen lässt: „Ich bekenne, ich habe gelebt“.
Chile auf der Kinoleinwand – unsere Filmempfehlungen
- Ähnlich zur chilenischen Literatur, thematisieren auch viele der bekanntesten Filme aus Chile die noch gar nicht so ferne Militärdiktatur. Wenn auch etwas in die Jahre gekommen, ist der Film „Machucha, mein Freund“ hierzu ein absoluter Klassiker. Anhand einer Kinderfreundschaft werden die politischen Entwicklungen während der Zeit des Putschs und der Diktatur nahbar erzählt.
- Der für den Oscar nominierte Spielfilm „No!“ widmet sich emotional dem Ende des Pinochet-Regimes. Das Werk stammt von Pablo Larraín, dem gegenwärtig vielleicht bedeutsamsten Filmemacher Chiles. Er ist an beinahe allen chilenischen Veröffentlichungen von Rang und Namen beteiligt. Auch die Filme „Gloria“, „Neruda“, „Nobody Knows I’m Here“ und „El Conde“ tragen die Handschrift von Larraín.
- Eine weitere chilenische Film-Koryphäe ist der systemkritische Filmemacher Patricio Guzmán. In seiner Trilogie „Nostalgie des Lichts“, „Der Perlenmutterknopf“ und „Die Kordillere der Träume“ verknüpft er bildgewaltig Chiles faszinierende Naturphänomene mit historischen und gesellschaftlichen Entwicklungen des Landes. Sein aktueller Dokumentarfilm „Mi país imaginario“ handelt von den sozialen Unruhen in Chile Ende 2019 und dem anschließenden Prozess politischer Veränderungen.
- Wer der chilenischen Geschichte wiederum mit mehr Verrücktheit begegnen möchte, mag an den surrealen Filmen von Alejandro Jodorowsky Gefallen finden, etwa dem autobiografischen Stück „La danza de la realidad“.
- Im bedrückenden Film Colonos / The Settlers wird die koloniale Erschließung von Patagonien im Westernstil aufgeführt.
- Ein bitteres Stück chilenischer und deutscher Vergangenheit präsentiert der Thriller „Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück“ mit Daniel Brühl und Emma Watson in den Hauptrollen.
- Einen noch tieferen Einblick in die Perspektiven und Erfahrungen der Opfer wie Täter der Sekte im südlichen Zentralchile beschert die sechsteilige Netflix-Serie „Colonia Dignidad: Eine deutsche Sekte in Chile“.
- Eine international deutlich weniger bekannte Sektengeschichte Chiles wird in der Dokumentarreihe „Antares de la Luz“ von Santiago Correa (ebenfalls auf Netflix) nachgezeichnet.
- Die gesellschaftlichen Strukturen des Chiles der Gegenwart indes konfrontiert der Film „Eine fantastische Frau“. Das Oscar-prämierte Werk schildert feinfühlig und kritisch die Geschichte einer Transgender-Frau im modernen Chile. Es stieß damit auch kontroverse Debatten im Land selber an.
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